Tirols Wirtschaft auf moderatem Wachstumskurs Die Wirtschaft erholt sich spürbar, wobei es große Unterschiede zwischen den Branchen gibt. Der Pessimismus geht zurück, aber die Skepsis überwiegt. Für heuer wird ein Wachstum von 1,5 % erwartet. Während sich die Gesamtwirtschaft deutlich erholt hat, verlaufen die Entwicklungen in den einzelnen Sparten höchst unterschiedlich – volkswirtschaftlich wird das als „divergierende Erholung“ bezeichnet. WK-Präsidentin Barbara Thaler bringt die aktuelle Situation auf den Punkt: „Die Lage ist besser, aber sie ist noch nicht gut.“ Wirtschaftslage & Branchenentwicklung Spitzenreiter beim Geschäftsklimawert – dem Mittelwert zwischen der aktuellen Lage und den Erwartungen für die kommenden sechs Monate - ist der Tourismus. Die Branche profitiert trotz der allgemeinen Teuerung von einer robusten Nachfrage im gehobenen Segment. Auch die Industrie erholt sich schrittweise und verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von knapp 57 Prozentpunkten. Normalisierte Lieferketten und stabilisierte Energiepreise tragen dazu bei, auch wenn hohe Arbeitskosten die internationale Wettbewerbsfähigkeit nach wie vor schwächen. Ebenfalls robust entwickelt sich die Branche Information & Consulting (IC), getragen von wachsendem Beratungsbedarf und fortschreitender Digitalisierung. Auch der Handel zeigt erste positive Impulse, was auf eine langsame Erholung des privaten Konsums hindeutet. Unter Druck stehen hingegen das Gewerbe, der Verkehrssektor und die Bauwirtschaft, die sich zwar um 32 Prozentpunkte verbessert hat, aber als einzige Branche beim Geschäftsklimawert im negativen Bereich verbleibt. „Der breite Branchenmix sorgt dafür, dass Tirol insgesamt stabil bleibt, auch wenn einzelne Sektoren noch große Herausforderungen zu bewältigen haben“, erklärt WK-Präsidentin Barbara Thaler. Auftragslage & Erwartungen Die aktuelle Auftragslage beschreibt, wie viele Unternehmen derzeit volle Auftragsbücher haben: Tourismus (+30 %) und Information & Consulting (+27 %) liegen vorn, die Industrie erreicht +15 Prozent, die Bauwirtschaft liegt leicht im Minus bei -2 %. Die Auftragserwartung hingegen zeigt, wie die Betriebe die kommenden sechs Monate einschätzen. Hier gibt es ein „Momentum der Skepsis“: In den klassischen Branchen (Tourismus, Industrie, Bau, Handel) liegen die Auftragserwartungen deutlich unter der aktuellen Lage. Nur die technologie- und wissensbasierten Dienstleistungen (IC) und der Verkehr zeigen ein positives Momentum. „Viele Unternehmen verzeichnen aktuell starke Aufträge, blicken jedoch angesichts globaler Unsicherheiten vorsichtig auf die kommenden Monate“, so Thaler. Belastungsfaktoren für Tirols Wirtschaft Hohe Arbeitskosten werden von 78 % der Unternehmen als größte Belastung genannt. Bürokratische Hürden und regulatorische Anforderungen belasten 66 %, gefolgt von Steuern und Abgaben mit 63 % und Energiekosten mit 51 %. Der Arbeits- und Fachkräftemangel bleibt mit 48 % eine zentrale Herausforderung. Lieferkettenprobleme spielen mit nur 5 % kaum noch eine Rolle. „Die Tiroler Unternehmen kämpfen vor allem mit hohen Standortkosten und administrativen Hürden. Bürokratieabbau und die Senkung der Abgabenlast sind zentrale Voraussetzungen, damit die Erholung nachhaltig wird“, betont Barbara Thaler. Moderate Lohn- und Gehaltsabschlüsse stimmen optimistisch, gleichzeitig bleibt die Reduktion der Lohnnebenkosten ein zentrales Anliegen, um die Attraktivität des Standorts zu verbessern. Ausblick 2026 Was die erwartete Wirtschaftsentwicklung für 2026 betrifft, hat sich in Summe die Stimmung unter den Tiroler Leitbetrieben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum merklich aufgehellt. Der Anteil der Pessimisten sinkt von über 40 % auf rund 25 %, während die Optimistenquote auf 17 % steigt – der höchste Wert seit Beginn der Energiekrise. Trotzdem bleiben die Pessimisten nach wie vor in der Überzahl. Wenn es geopolitisch zu keinen neuen Verwerfungen kommt, erwartet die WK Tirol für 2026 ein reales Wirtschaftswachstum von rund 1,5 %. „Die wirtschaftliche Ausgangslage hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. Jetzt gilt es, diese Aufhellung durch gezielte Maßnahmen zu festigen und in eine nachhaltige Aufwärtsbewegung zu verwandeln“, schließt Barbara Thaler.