Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Bezirksstelle Kitzbühel greift zentrale Wirtschaftsthemen auf Beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Bezirksstelle Kitzbühel am 8. Jänner 2026 standen aktuelle Herausforderungen und Rahmenbedingungen für die Betriebe im Bezirk im Mittelpunkt. Anhand konkreter Beispiele thematisierte die Bezirksstelle Fragen der Erreichbarkeit und Verkehrsbelastung, die wirtschaftliche Bedeutung von Freizeitwohnsitzen sowie Berufsorientierung und Lehrlingsarbeit. Die Themen stehen exemplarisch für Anliegen, mit denen viele Tiroler Unternehmen im betrieblichen Alltag konfrontiert sind. Tiroler Wirtschaft stabilisiert sich – Ausblick bleibt vorsichtig Beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Kitzbühel sprach Präsidentin Barbara Thaler über die aktuelle wirtschaftliche Lage und den Ausblick für 2026. Die jüngsten Konjunkturdaten zeigen, dass sich die Tiroler Wirtschaft im Winter 2025/26 gegenüber dem Vorjahr spürbar stabilisiert hat. Der ausgeprägte Pessimismus des Winters 2024/25 ist zurückgegangen, die Stimmung hat sich aufgehellt – wenn auch weiterhin vorsichtig. „Die Tiroler Wirtschaft hat wieder Boden unter den Füßen – aber sie läuft noch vorsichtig“, betonte Thaler. Stabilisierend wirkt vor allem der Tourismus mit einem Geschäftsklimawert von rund 36 Prozentpunkten. Auch Handel sowie Information & Consulting verzeichnen deutliche Verbesserungen. Die Erholung verläuft jedoch unterschiedlich: Die Bauwirtschaft bleibt trotz Fortschritten weiterhin die einzige Branche im negativen Bereich. Auch die Industrie hat weiterhin mit hohen Arbeitskosten und internationalem Wettbewerbsdruck zu kämpfen. Viele Betriebe berichten von gut gefüllten Auftragsbüchern, blicken angesichts internationaler Unsicherheiten jedoch zurückhaltend auf die kommenden Monate. Als größte Belastungen nennen die Unternehmen weiterhin hohe Arbeitskosten, Bürokratie sowie Steuern und Abgaben. Unter der Voraussetzung stabiler geopolitischer Rahmenbedingungen erwartet die Wirtschaftskammer Tirol für 2026 ein reales Wirtschaftswachstum von rund 1,5 Prozent. „Das momentane, kleine Pflänzchen an Wirtschaftswachstum braucht jetzt die richtigen Rahmenbedingungen, um weiter wachsen zu können“, betonte Thaler. Bürokratieabbau, die Senkung der Lohnnebenkosten und ein investitionsfreundliches Umfeld seien dafür entscheidend. „Wer nachhaltiges Wachstum will, muss den Betrieben Luft zum Atmen geben.“ Baustellen und Verkehr belasten Betriebe Ein zentrales Thema aus dem Bezirksalltag waren Baustellen und Verkehr. Die anhaltend hohe Bautätigkeit im Bezirk Kitzbühel führt durch parallel laufende Maßnahmen unterschiedlicher Auftraggeber immer wieder zu Verkehrsbehinderungen und zusätzlichen Belastungen für Betriebe. Besonders betroffen sind Unternehmen mit Lieferverkehr, Kund enfrequenz oder eng getakteten Abläufen. Die Bezirksstelle hat diese Problematik wiederholt aufgegriffen und auf Entlastungen gedrängt. In einzelnen Fällen konnten durch Gespräche Umstellungen auf Nachtbaustellen erreicht werden. Aus Sicht der Wirtschaftskammer braucht es künftig eine bessere Abstimmung, frühzeitige Information der Betriebe sowie Bauarbeiten außerhalb der Hauptverkehrszeiten, wo dies möglich ist. Freizeitwohnsitze: Wirtschaftliche Dimension sichtbar machen Einen weiteren Fokus des Neujahrsempfangs bildete die wirtschaftliche Bedeutung von Freizeitwohnsitzen. Eine aktualisierte Studie der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung zeigt, dass Freizeitwohnsitze im Jahr 2024 rund 192,3 Mio. Euro zur regionalen Wertschöpfung im Bezirk Kitzbühel beigetragen haben. Der Beschäftigungseffekt lag bei 1.758 Arbeitsplätzen, die Lohnsumme bei 75,1 Mio. Euro. Die Effekte entstehen vor allem durch Dienstleistungen, Instandhaltung, Bauleistungen, Handel und kommunale Abgaben. Für die Bezirksstelle leisten diese Zahlen einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte und unterstreichen die wirtschaftliche Dimension des Themas. Berufsorientierung und Lehre als Schlüssel zur Fachkräftesicherung Auch die Sicherung von Fachkräften durch Ausbildung war Thema des Abends. Die Bezirksstelle setzt weiterhin auf praxisnahe Berufsorientierung und Lehrlingsarbeit. Formate wie das Berufs-Festival Kitzbühel sowie regionale Lehrlings- und Berufsmessen werden weiterentwickelt. Geplant ist unter anderem ein Berufs-Shuttle für Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen der Mittelschulen, um direkte Einblicke in Betriebe zu ermöglichen. Auch die Lehre nach der Matura bleibt ein wichtiger Bestandteil der regionalen Ausbildungsarbeit. „Wir als Bezirksstelle sehen uns 2026 vermehrt als Kommunikationsdrehscheibe, um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Betriebe im Bezirk bestmöglich unterstützen zu können. Dabei wurden vom Bezirksausschuss die 3 Schwerpunkte Baustellenmanagement, Fokussierung bei Berufsorientierungsveranstaltungen und die Kommunikation der wirtschaftlichen Bedeutung von Zweitwohnsitzen in der Region Kitzbühel/Kufstein fixiert.“, so der Bezirksstellenobmann Hermann Huber. Der Neujahrsempfang machte deutlich, dass wirtschaftliche Fragen im Bezirk Kitzbühel differenziert betrachtet werden müssen. Entscheidend bleibt der laufende Austausch zwischen Wirtschaft, Auftraggebern, Politik und Bildung, um aus der aktuellen Stabilisierung nachhaltige Perspektiven für Tirols Betriebe zu entwickeln.