Tiroler Bankenstudie 2026: Eigentum bleibt Lebensziel, rückt für viele aber in weite Ferne Vier von fünf Tirolerinnen und Tirolern wünschen sich eigene vier Wände. Zwei Drittel halten das für die Mittelschicht aber kaum noch für finanzierbar. Auch beim Blick auf die Pension überwiegt die Skepsis, immer mehr Menschen sorgen deshalb selbst vor. Bei den großen Finanzentscheidungen setzt die Bevölkerung auf Sicherheit und persönliche Beratung. Das zeigt die Tiroler Bankenstudie 2026, die Ipsos Austria im Auftrag der Sparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Tirol durchgeführt hat. Im Mittelpunkt stehen die drei großen finanziellen Fragen der Tirolerinnen und Tiroler: Wohnen, Vorsorge und Vermögensaufbau. Zwischen Wohntraum und Wirklichkeit Für 80 % der Befragten ist der Besitz einer Wohnung oder eines Hauses persönlich wichtig. 68 % bewerten die Chancen der Mittelschicht, in Tirol Eigentum zu erwerben, jedoch als schlecht oder sehr schlecht, nur 16 % sehen sie positiv. Als größte Hürden nennen die Befragten die hohen Immobilienpreise (73 %), zu wenig Eigenkapital (60 %), hohe Zinsen (52 %) und hohe Kreditraten (48 %). Von der Politik erwarten sie vor allem Förderungen für Eigentumswohnungen (43 %) und Eigenheime (42 %), steuerliche Begünstigungen (41 %) sowie eine leichtere Kreditvergabe (38 %). „Eigentum ist für die Tirolerinnen und Tiroler weit mehr als eine Geldanlage, es bedeutet Sicherheit und Unabhängigkeit, gerade auch im Alter. Wenn zwei Drittel diesen Weg für die Mittelschicht als verbaut ansehen, ist das ein ernstes Signal. Es braucht Rahmenbedingungen, die den Aufbau von Eigenkapital erleichtern und Finanzierungen wieder planbar machen“, sagt Patrick Götz, Obmann der Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Tirol. Pension: Die Sorge wächst, die Sparquoten auch Nur 41 % sind zuversichtlich, dass die staatliche Pension ihren gewohnten Lebensstandard sichern wird. 51 % beunruhigt der Gedanke an die finanzielle Situation im Alter. Neun von zehn halten private Vorsorge für zunehmend unverzichtbar, 64 % befürworten eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge. Viele handeln bereits: 42 % legen monatlich mehr als 100 Euro für die Pension zur Seite, im Vorjahr waren es 34 %. Der Anteil jener, die gar nichts zurücklegen, ist von 21 auf 14 % gesunken. Gold reizt, das Sparbuch bleibt Bei der Frage nach besonders interessanten Anlageformen liegen Gold (40 %), Immobilien (38 %) und das Online-Sparkonto (35 %) vorne. Für die eigene Vorsorge setzen die Befragten aber vor allem auf Bewährtes: 49 % nutzen dafür ein Sparbuch oder Sparkonto, 39 % eine Lebensversicherung, 29 % einen Bausparvertrag. „Die Frage nach der Attraktivität zeigt, was die Menschen derzeit als sicher und werthaltig wahrnehmen. Das ist nicht dasselbe wie die tatsächliche Veranlagung, die nach wie vor stark von Sparprodukten geprägt ist. Strukturell sehen wir aber eine klare Öffnung in Richtung Kapitalmarkt“, erklärt Studienautor Alexander Zeh von Ipsos Austria. 69 % erwarten, dass Wertpapiere für die Altersvorsorge an Bedeutung gewinnen, 48 % wollen in den kommenden drei Jahren stärker investieren. Persönliche Beratung weiterhin entscheidend Bei diesen Weichenstellungen setzen die Tirolerinnen und Tiroler vor allem ihrer Hausbank: 74 % sind mit ihr zufrieden, 70 % vertrauen ihr. 54 % würden bei Finanzfragen am ehesten ihre Bankberaterin oder ihren Bankberater um Rat fragen. Rund die Hälfte hat für Finanzfragen bereits Künstliche Intelligenz genutzt – als Ersatz für die persönliche Beratung sieht sie aber nur eine Minderheit. Handlungsbedarf orten die Befragten bei der Finanzbildung: 59 % fordern verpflichtenden Unterricht spätestens ab der Unterstufe. Zur Studie: Ipsos Austria hat vom 11. bis 29. September 2026 online 300 Tirolerinnen und Tiroler zwischen 16 und 75 Jahren befragt (CAWI – Computer Assisted Online Interviews). Die Stichprobe ist repräsentativ nach den wichtigsten soziodemografischen Merkmalen. Die „Tiroler Bankenstudie 2026“ kann hier heruntergeladen werden.