Tiroler Industrie fordert: Energiekosten senken, Investitionen anstoßen, Verfahren beschleunigen Mit einer abgesetzten Produktion von 15,8 Milliarden Euro hat die Tiroler Industrie im Vorjahr einen neuen Höchstwert erreicht – ein Plus von 9,2 %. Gleichzeitig ist die Zahl der Beschäftigten auf den tiefsten Stand seit 2009 gesunken, und nur noch 4 % der Industriebetriebe wollen ihre Investitionen ausweiten. Die Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Tirol drängt daher auf eine rasche Entlastung bei den Energiekosten, wirksame Investitionsanreize und schnellere Verfahren. Im österreichweiten Vergleich steht Tirol gut da: Während die österreichische Industrieproduktion 2025 nur um 2,9 % zulegte und seit 2022 um 16,7 % geschrumpft ist, wuchs sie in Tirol im selben Zeitraum um 10,1 %. Tirols Anteil an der österreichischen Industrieproduktion kletterte damit auf 7,5 % – den höchsten Wert seit 2014. „Diese guten Werte sind allerdings kein Grund für Euphorie. Sie beruhen auf wenigen Branchen und wenigen Standorten“, betont Karlheinz Wex, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Tirol. Getragen von wenigen Branchen Das Wachstum stützt sich vor allem auf die Bereiche Pharma (+34,9 %), elektrische Ausrüstungen (+17,9 %) und Tiefbau (+14,4 %). Andere Branchen treten auf der Stelle: Die Glas- und Keramikindustrie etwa lag 2025 nominell nur 0,8 % über dem Niveau von 2015 – real bedeutet das einen deutlichen Rückgang. Weniger Arbeitsplätze, kaum Investitionen Zurückgegangen ist auch die Zahl der Beschäftigten: Im Mai 2026 arbeiteten 38.314 Menschen in der Tiroler Industrie – rund 4.200 weniger als beim Höchststand 2015. Noch deutlicher zeigt sich die Zurückhaltung beim Blick nach vorn: Laut TOP-Tirol-Konjunkturbarometer vom Sommer 2026 planen nur 4 % der Industriebetriebe, mehr zu investieren. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 2010; in der Tiroler Gesamtwirtschaft liegt der Anteil bei 13,1 %. „Was heute nicht investiert wird, fehlt übermorgen bei Produktion, Exporten und Löhnen“, warnt Spartengeschäftsführer Oswald Wolkenstein. Drei Prioritäten für die Trendwende „Ob die Trendwende gelingt, entscheidet sich vor allem an drei Punkten: an den Energiekosten, an den Investitionen und am Tempo der Verfahren“, ist Spartenobmann Wex überzeugt. Energie: Obwohl rund 90 % des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen, sind die Strompreise nicht wettbewerbsfähig. Kurzfristig braucht es eine verlässliche Strompreiskompensation oder einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis sowie niedrigere Netzentgelte, mittelfristig einen zügigen Ausbau der Tiroler Eigenerzeugung samt Speichern. Investitionen: Steuerliche Anreize sollen bereits 2027 Investitionsentscheidungen auslösen – etwa durch eine Sofort- oder degressive Abschreibung, eine planbare Forschungsprämie und eine Investitionsprämie für Dekarbonisierung und Digitalisierung. Verfahren: Genehmigungsverfahren müssen digital, gebündelt und innerhalb verbindlicher Fristen abgewickelt werden. Zudem braucht es betriebliche Vorsorgeflächen in der Raumordnung, denn Betriebserweiterungen scheitern in Tirol häufig an fehlenden Flächen. Darüber hinaus fordert die Sparte eine Stärkung der Lehre und der technischen Ausbildung sowie einen spürbaren Bürokratieabbau. „Mit der Industriestrategie 2035 hat die Bundesregierung die Richtung vorgegeben. Jetzt müssen den Ankündigungen Taten folgen – und zwar rasch“, so Wex.