Meldung vom 08.09.2020

Tiroler Handel wehrt sich gegen Drei-Punkte-Plan

Tirol erzielt bereits jetzt 96 Prozent Recyclingquote. Die Sinnhaftigkeit des bundesweiten Drei-Punkte-Plans im Kampf gegen Plastikabfälle ist daher fragwürdig und stößt in Tirol auf heftige Kritik.

 

Der von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler vorgestellte Drei-Punkte-Plan im Kampf gegen Plastikabfälle erhält von Tirol starken Gegenwind. „Ein bundesweites System ist der komplett falsche Ansatz. Jene Bundesländer, bei denen die Quoten längst über dem mit 90 Prozent definierten EU-Ziel für 2029 liegen, brauchen keine Experimente. Tirol gehört mit einer Recyclingquote von 96 Prozent bereits zu den Spitzenreitern. In Wien hingegen herrscht beim Thema Recycling Steinzeit und das Land ist gefordert, ein verträgliches Niveau zu erreichen. Wir brauchen jedoch keine zentralgesteuerte Zwangsbeglückung, sondern föderale Lösungen, die gemeinsam zum Ziel führen“, fordert WK-Vizepräsident und Nationalrat Franz Hörl.

Hörl kritisiert, dass sich Wien mit bewusst schlechtem Trennen beim Müll gleich drei Mal bereichert, anstatt einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten: Erstens über höhere Müllgebühren – die Wiener zahlen hier mehr, weil ein Großteil des Plastiks im kostenpflichtigen Restmüll landet; zweitens über eine Sondervereinbarung mit der ARA – welche Wien mit Millionenzahlungen dafür belohnt, dass sie der ARA den Aufwand zum Trennen erspart; und drittens über Erlöse bei der Müllverbrennung – die durch den höheren Anteil an brennbarem Plastik erzielt werden. „Das sind im wahrsten Sinne des Wortes ,schmutzige' Tricks. Gerade beim Müll dürfen derartige Gewinnmaximierungen keine Rolle spielen und muss der Umweltgedanke im Vordergrund stehen. Beim Müll sind die Wiener echte Schlawiner – das sollten wir ihnen nicht durchgehen lassen, schon gar nicht, wenn wegen derartiger Praktiken ganz Österreich mit einem unnötigen Pfandsystem zwangsbeglückt werden soll“, betont Hörl.

Der nun vorgestellte Plan würde hohen bürokratischen, finanziellen und personellen Mehraufwand mit sich bringen. Die Kosten würden in Tirol von derzeit 92 Millionen Euro jährlich auf 180 Millionen Euro explodieren. „Ein Pfandsystem, das der Handel abzuwickeln hätte, würde vor allem für kleine Händler eine kaum zu stemmende Belastung bedeuten“, warnt Stefan Mair, Obmann des Tiroler Lebensmittelhandels.

Die Tiroler Wirtschaftsvertreter schlagen vor, bestehende Strukturen zu optimieren, anstatt teure Parallelstrukturen aufzubauen. Die WKÖ hat ein umfassendes Konzept ausgearbeitet, das Ressourcen schont und Kosten spart. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der österreichweite Ausbau von Sammelsystemen wie etwa dem Gelben Sack. „Wir brauchen nachhaltige Lösungen in einem großen Ganzen“, erklärt Mair. „Die Lösung liegt in einer einzigen, einheitlichen Kunststoffsammlung in Form eines Abholsystems. Je unkomplizierter diese Gesamtlösung funktioniert, desto höher ist die Akzeptanz und die Effektivität“, ist Mair überzeugt.

Kontakt

Tiroler Wirtschaftskammer
Sparte Handel
Mag. Simon Franzoi
T 05 90 90 5-1295
E simon.franzoi@wktirol.at

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