08.04.2026    5 Bilder 1 Dokument

Bauvorschau 2026: Große Herausforderungen, kleine Lichtblicke

Die Tiroler Bauwirtschaft blickt nach schwierigen Jahren wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft – der Baubranchen-Index verzeichnet eine Verbesserung von 3,1 auf 2,8. 
© WK Tirol / Die Fotografen

Landesbaudirektor Christian Molzer, Bau-Innungsmeister Patrick Weber und Wirtschaftslandesrat Mario Gerber (v.l.) präsentierten die Ergebnisse der „Tiroler Bauvorschau 2026“.

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Die Tiroler Bauwirtschaft sendet zum Frühjahr 2026 erstmals seit längerer Zeit wieder positivere Signale. Das belegen die Ergebnisse der „Tiroler Bauvorschau 2026“, die heute in der Wirtschaftskammer Tirol vom Landesinnungsmeister des Tiroler Baugewerbes Patrick Weber, Wirtschaftslandesrat Mario Gerber und Landesbaudirektor Christian Molzer präsentiert wurden. „Nach drei Jahren Rezession verzeichnen wir erstmals wieder Lichtblicke. Die Situation ist immer noch nicht gut – aber es wird besser“, ist Patrick Weber überzeugt.

Stimmung hellt sich auf – aber Vorsicht bleibt geboten

Der Tiroler Baubranchen-Index liegt im Frühjahr 2026 bei 2,8 – nach zwei Jahren mit einem Wert von 3,1, dem schlechtesten Ergebnis seit Einführung der Bauvorschau im Jahr 2011. Der Index erfasst die Stimmungslage nach dem Schulnotensystem. Die Grundlage der Berechnungen bilden die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage, die Veränderungen des bauwirksamen Produktionswertes in den vergangenen zwölf Monaten sowie die zukünftige Entwicklung des bauwirksamen Produktionswertes des eigenen Unternehmens.

Jedes zweite Unternehmen der Tiroler Bauwirtschaft bewertet die aktuelle Geschäftslage positiv (53 %), nur 13 % sind negativ gestimmt. Für 2026 erwarten 26 % eine Umsatzsteigerung, mehr als die Hälfte (55 %) geht von einer gleichbleibenden Entwicklung aus, und 19 % rechnen mit einem Rückgang.

Tiefbau zieht die Entwicklung nach oben

Die Entwicklung verläuft allerdings erneut zweigleisig: Während der Hochbau mit einem Minus von 2,0 % (848 Millionen Euro) weiter unter Druck bleibt, legt der Tiefbau deutlich zu – ein Plus von 7,9 % auf 1.090 Millionen Euro. Als stärkstes Wachstumssegment sticht der „Sonstige Tiefbau“ hervor, der um 35,9 % zulegt.

Erfreulich entwickelt sich auch die Sanierung im Wohnbau: Nach dem drastischen Einbruch im Vorjahr steigen die prognostizierten Leistungen um 7,3 % auf 118 Millionen Euro – ein klares Signal, dass das Segment wieder Fahrt aufnimmt.

Öffentliche Hand als Impulsgeber

Für das Jahr 2026 wird ein Anstieg des gesamten Tiroler Baubudgets auf 2.523 Millionen Euro prognostiziert – ein Plus von 2,3 % gegenüber dem Vorjahr. Die klassisch bauwirksamen Leistungen, also jene Aufträge, die direkt an Bauunternehmen vergeben werden, steigen voraussichtlich um 3,4 % auf 1.938 Millionen Euro. „Das Land Tirol ist der größte öffentliche Auftraggeber und wir waren auch in schwierigen Phasen mit unseren Investitionen ein wichtiger Impulsgeber. Wir wollen dieser Verantwortung auch in Zukunft nachkommen und das öffentliche Investitionsniveau bewusst hochhalten“, betonte Landesrat Mario Gerber.

Wohnbauförderung auf Rekordhoch – Sanierung als Schlüssel

Rückenwind kommt von der Landesebene: Das Land Tirol hat 2025 insgesamt 342 Millionen Euro an Wohnbauförderungen und Wohnhaussanierungen zugesichert – ein Plus von 16,3 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark zugelegt hat die Wohnhaussanierung mit einem Zuwachs von 25 % auf 123 Millionen Euro. Innungsmeister Patrick Weber hebt die positiven Impulse hervor, die von der Wohnbauförderung ausgelöst werden. Er merkt allerdings kritisch an, dass der Großteil der Mittel in den Mietwohnbau und die Sanierung fließen. „Wohnbauförderungen für Eigentumswohnungen sind unterrepräsentiert. Wir brauchen intelligentere Fördermodelle für den Eigentumswohnbau“, forderte der Innungsmeister. 

Investitionsimpulse durch das Land

Im Zuge der Bauvorschau gab Landesbaudirektor Molzer einen Ausblick auf laufende und anstehende öffentliche Bauvorhaben im Land Tirol. Im Tiefbau zeigen die Zahlen deutlich nach oben – wobei die Investitionen weniger Neubauten, sondern vielmehr Sanierungen und den Katastrophenschutz betreffen. Er verwies auf ein kommendes großes Investitionspaket für den Ausbau des Fernpasses. Auch der Ausbau des Radwegnetzes wird auf hohem Niveau weitergeführt. Der Landesbaudirektor hob auch klare Signale hervor, die auf eine Verbesserung der Situation im Hochbau hindeuten: „Derzeit bremsen hohe Zinsen, strenge Kreditvergaben und hohe Kosten den Hochbau. Wir verzeichnen allerdings steigende Zusicherungen in der Wohnbauförderung und bei den Baubewilligungen – die ersten drei Quartale 2025 übersteigen bereits das gesamte Jahr 2024. Ich bin zuversichtlich, dass diese Steigerungen in der Planung im Laufe des Jahres auch im Bauvolumen sichtbar werden.“

Initiativen für den Fachkräftenachwuchs

Im Ausbildungsbereich sind entsprechend dem allgemeinen Trend Rückgänge bei den Lehrlingszahlen zu verzeichnen. Gerber, Weber und Molzer bekräftigten ihre Absicht, dieser Entwicklung gegenzusteuern und eine gemeinsame Lehrlingsoffensive zu starten. Es gelte, rechtzeitig das Umfeld zu schaffen, damit auch in Zukunft genügend Nachwuchskräfte für den Bau zur Verfügung stehen.

Günstiger Zeitpunkt für Bauherren

Innungsmeister Patrick Weber richtete abschließend Forderungen an die Politik: Es brauche einen einfacheren Zugang zu zinsgünstigen Finanzierungen, weitere Förderungen für klimafreundliches Bauen, Entlastungen bei der Bürokratie, Erleichterungen bei Umbau und der Nachverdichtung sowie die Unterstützung der Gemeinden bei Bauvorhaben. 

Für potenzielle Bauherren hat der Innungsmeister eine erfreuliche Botschaft: Die Baukosten sind in den letzten 5 Jahren deutlich weniger gestiegen als die Einkommen. Damit hat sich die Leistbarkeit verbessert. „Wer bauen will, sollte es tun – günstiger wird es nicht mehr“, brachte es Patrick Weber auf den Punkt.

Hier geht's zu den Detail-Ergebnissen der "Tiroler Bauvorschau 2026".

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Marth Matthias
Tiroler Wirtschaftskammer
Branchenverbund Bau
Mag. Matthias Marth
T 05 90 90 5-1278