© WK Tirol/ Die Fotografen
Spartenobmann Franz Jirka (l.) und Spartengeschäftsführerin Karolina Holaus (r.) gratulierten den Gewinner:innen des „Goldenen Max“ beim Tiroler Handwerkspreis 2026.
Die MECO GmbH aus Kirchbichl, die Holzmanufaktur und Vitrinenbau Auer GmbH aus Innsbruck, der Blechblasinstrumentenbauer Benedikt Sonnleiter aus Innsbruck, die Firma naturidea aus Fulpmes sowie die Schneider:innen Barbara Sporer, Monika Nuener, Claudia Schellhorn-Thaler wurden gestern im neuen RAIQA mit dem „Goldenen Max“ ausgezeichnet.
Die innovativen, kreativen und handwerklich herausragenden Leistungen der Tiroler Gewerbe- und Handwerksbetriebe ins Rampenlicht zu rücken - das ist das Ziel des von der RLB Tirol, der Uniqa Versicherung und dem Land Tirol unterstützten Tiroler Handwerkspreises. „Tiroler Handwerksbetriebe spielen in der internationalen Top-Liga – und das aus gutem Grund: Sie schaffen regionale Wertschöpfung, sichern heimische Arbeitsplätze und bilden den Fachkräftenachwuchs aus, der diese Werte weiterträgt. Sie wählen ihre Werkstoffe mit Bedacht und verwirklichen für ihre Kundinnen und Kunden immer wieder außergewöhnliche Projekte. Genau diese Leistungen wollen wir mit dem Tiroler Handwerkspreis ins Bewusstsein rücken“, betonte Franz Jirka, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk, die den Tiroler Handwerkspreis heuer bereits zum dritten mal auslobte.
Mehr als 100 Einreichungen
Die Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Tirol ist von einer enormen Vielfalt gekennzeichnet. Ihre insgesamt 28 Innungen sind in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens präsent: vom Bau über den Ausbau und der Ausstattung von Gebäuden über den unterschiedlichen Einsatz von Produktionstechniken bis hin zu den Mode- und Lifestylebranchen und dem Dienstleistungssektor am und um den Menschen. „Die Vielfalt der Einreichungen macht deutlich, wie breit das Tiroler Gewerbe und Handwerk aufgestellt ist – von der Haustechnik über den Instrumentenbau bis hin zu kreativen Kooperationsprojekten. Dass heuer mehr als 100 Betriebe den Schritt gemacht und eingereicht haben, zeigt: Das Selbstbewusstsein im Tiroler Handwerk wächst. Und das freut uns sehr.", unterstrich Spartengeschäftsführerin Karolina Holaus.
Bewertet wurden die Einreichungen von einer hochkarätigen Jury, bestehend aus Univ.-Prof. Bernd Gössling von der Universität Innsbruck, Nachhaltigkeits-Experte Tobias Höllbacher, Direktor Andreas Rudigier von den Tiroler Landesmuseen, Präsident Martin Haller vom Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister Bozen sowie Bernd Wölfle von der Handwerkskammer Freiburg.
Das sind die Gewinner:innen des 3. Tiroler Handwerkspreises:
Die Kategorie „Nachhaltigkeit & Regionalität“ gewann die MECO GmbH aus Kirchbichl mit dem Projekt „Historisches Erbe, moderne Energie: Revitalisierung Hotel Traube“. In der Kategorie „Kooperation & Teamwork“ überzeugten die Schneider:innen Barbara Sporer, Monika Nuener, Claudia Schellhorn-Thaler mit ihrem Projekt „Einzigartiges Handwerk". Die Kategorie „Handwerk & Design“ konnte die Holzmanufaktur und Vitrinenbau Auer GmbH aus Innsbruck mit dem Projekt „Swarovski CW-Retailtunnel Wandverkleidungen“ für sich entscheiden. Der Sieg in der Kategorie „Tradition & Moderne“ ging an den Blechblasinstrumentenbauer Benedikt Sonnleitner aus Innsbruck für seine „Tromba da tirarsi". Und den Platz 1 in der Kategorie "Einzigartig & Handgemacht" ging an naturidea aus Fulpmes mit dem Projekt "Baumhausweg Stubai".
Sie alle dürfen sich nicht nur über eine Siegerprämie in Höhe von 2.500 Euro sondern auch über den „Goldenen Max" freuen - eine von Conny Schipflinger (Tischlerei Schipflinger KG) gestaltete Trophäe aus Holz, Stein und Gold.
Neben Landeshauptmann Anton Mattle und Spartenobmann Franz Jirka gratulierte unter anderem auch WK-Präsidentin Barbara Thaler, die betonte: „Gutes Handwerk entsteht nicht zufällig – es entsteht aus Können, Erfahrung und dem Anspruch, Dinge nicht einfach zu machen, sondern richtig gut zu machen. Genau deshalb hat dieser Preis einen so hohen Stellenwert: Er holt Leistungen vor den Vorhang, die oft viel zu selbstverständlich genommen werden. Ein großes Danke gilt heute nicht nur den Preisträger:innen, sondern allen Betrieben, die eingereicht haben. Denn jede Einreichung erzählt eine Geschichte – von einer Idee, von viel Arbeit und von Menschen, die ihr Handwerk wirklich verstehen."
Nähere Informationen zu den Sieger-Projekten.
Kategorie „Nachhaltigkeit & Regionalität“:
MECO GmbH – Historisches Erbe, moderne Energie: Revitalisierung Hotel Traube
Mit der Revitalisierung des Hotel Traube in Rattenberg zeigt die MECO GmbH aus Kirchbichl, wie Denkmalschutz und moderne Energietechnik zusammenfinden können. Das historische Gebäude aus dem 15. Jahrhundert wurde energetisch in die Gegenwart geführt, ohne seine gewachsene Substanz zu gefährden. Ziel war ein fossilfreies, ökologisches Gesamtsystem, das Geschichte bewahrt und gleichzeitig Ressourcen schont. Dafür wurden unter anderem zwei Grundwasserwärmepumpen, rund 900 Quadratmeter Fußbodenheizung, Deckenheiz- und Kühlelemente sowie eine Sockelwandheizung mit Taupunktüberwachung umgesetzt. Besonders herausfordernd waren die engen Platzverhältnisse in der Altstadt und der sensible Umgang mit der historischen Bausubstanz. Entstanden ist ein Vorzeigeprojekt für nachhaltige Haustechnik, regionale Expertise und handwerkliche Präzision im anspruchsvollen Denkmalbestand Tirols. Ein starkes Beispiel für verantwortungsvolle Erneuerung mit Zukunft.
In dieser Kategorie landeten
Holzbau Saurer & Co KG aus Höfen mit dem Projekt „Holzbau als Zukunftsmodell - Innsbrucks erstes Holzhochhaus“ auf Platz 2 und die
Chamelion Malermeister GmbH aus Kufstein mit dem Projekt „Nachhaltige Fassadenrenovierung Passionsspielhaus Erl“ auf Platz 3.
Kategorie „Tradition & Moderne“:
Blechblasinstrumentenbauer Benedikt Sonnleitner – Tromba da tirarsi
Mit der Tromba da tirarsi wurde ein außergewöhnliches historisches Instrument neu entwickelt. Zwei Tiroler Musiker benötigten die barocke Zugtrompete für die originalgetreue Aufführung von Bach-Kantaten. Da dieses Instrument kaum erhältlich ist und historische Vorbilder nur eingeschränkt praktikabel sind, entstand eine eigene Lösung mit Doppelzug. Die entwickelte Konstruktion ermöglicht eine Vertiefung jedes Naturtons um zwei Halbtöne bei einem Zugweg von nur rund 20 Zentimetern. Sämtliche Rohre und Bögen wurden aus Messingblech zugeschnitten, verlötet und traditionell in Form gebracht. Auch Schallstück, Kranz, Zierdraht und Zugelemente entstanden in Handarbeit. Die größte Herausforderung lag in Präzision, Dichtheit und leichtgängiger Mechanik. Das Ergebnis ist ein Nischeninstrument, das historische Klangästhetik mit verbesserter Spielbarkeit für heutige Musiker verbindet.
In dieser Kategorie landeten die
Novak Harmonika Manufaktur GmbH aus Reutte mit dem Projekt „Tradition bewahren. Zukunft bauen.“ auf Platz 2 und die
JP-Feindestillerie Kössler aus Stanz mit dem Projekt „Oxivita - 0,0% Alkohol“ auf Platz 3.
Kategorie „Handwerk & Design“:
Holzmanufaktur und Vitrinenbau Auer GmbH – Swarovski CW-Retailtunnel Wandverkleidungen
Die Holzmanufaktur und Vitrinenbau Auer GmbH aus Innsbruck hat für den Retailtunnel der Swarovski Kristallwelten in Wattens eine außergewöhnliche Wandverkleidung umgesetzt. Die große Herausforderung bestand darin, den Bestand millimetergenau aufzunehmen, ohne die vorhandenen Wandverkleidungen entfernen zu können. Auf dieser Basis entstanden eine präzise 3D-Planung und eine exakt abgestimmte Unterkonstruktion. Die Beplankungen bestehen aus 40 Millimeter starken Massivholzbohlen aus Eschenholz und wurden mit speziellem Brandschutzlack behandelt. Entscheidend war, dass alle Fugen und Übergänge mit einem Abstand von zehn Millimetern exakt zusammenlaufen. In Planung, Fertigung und Montage durfte kein Fehler passieren. Das Ergebnis ist eine gestalterisch starke und technisch anspruchsvolle Umsetzung, bei der digitales Planen, CNC-Fertigung und präzises Tischlerhandwerk perfekt ineinandergreifen - sichtbar bis ins Detail.
In dieser Kategorie landeten die
Buchbinderei - Der Buchbinder Köll aus Innsbruck mit dem Projekt „Jubiläumsausgabe und Sonderedition von 80 Büchern 'Tone Fink - solo tone'“ auf Platz 2 und
Kunstschmied Alois Unterrainer aus Matrei in Osttirol mit seinem „Informations- und Schaukasten“ auf Platz 3.
Kategorie „Teamwork & Kooperation“:
Einzigartiges Handwerk – Qualität, Miteinander und Durchhalten
Aus der Begegnung von Barbara Sporer, Monika Nuener, Claudia Schellhorn-Thaler aus dem Zillertal entstand das Projekt „Einzigartiges Handwerk“. Drei unabhängige Handwerkerinnen – eine Trachtenschneiderin, eine Goldstickerin und eine Lederhosenschneiderin – haben sich zusammengeschlossen, um ein gemeinsames Zeichen für Qualität, Sichtbarkeit und Miteinander im Handwerk zu setzen. Dazu wurden Social-Media-Kanäle, eine gemeinsame Homepage und ein eigenes Logo entwickelt, das in den Werkstücken sichtbar wird. Dieses Logo steht für hochwertige Materialien, präzise Arbeit, Fachwissen, Erfahrung und ehrliche Beratung. Trotz zeitlichem, unentgeltlichem und finanziellem Aufwand als EPUs wächst das Projekt weiter: Im März 2026 kam die Tischlerei Fankhauser dazu, weitere Betriebe zeigen Interesse. „Einzigartiges Handwerk“ beweist, dass Kooperation nicht Konkurrenz bedeutet, sondern Betriebe stärken, sichtbar machen und nachhaltig verbinden kann.
In dieser Kategorie landeten die
Energie- und Brandschutzprofi eGen aus Landeck mit der Projekt „Ötzkamin" auf Platz 2 und die
Dipl.-Ing. Zösmayr Elektrotechnik GmbH aus Innsbruck mit dem Projekt „energieintegration.tirol " auf Platz 3.
Kategorie „Einzigartig & Handgemacht“:
naturidea – Baumhausweg Stubai
Die Erlebniswerkstatt naturidea hat mit dem Baumhausweg Stubai eine Abenteuerwelt zwischen Waldboden und Baumwipfeln geschaffen. Auf einem rund 5.000 Quadratmeter großen Waldgebiet bei der Mittelstation der Kreuzjochbahn führt der Weg zu neun thematisch gestalteten Baumhäusern. Jede Station erzählt eine eigene Geschichte und lädt Kinder und Familien zum Klettern, Entdecken, Spielen und Staunen ein. Alle Baumhäuser wurden in Handarbeit mit heimischen Hölzern produziert und baumschonend am lebenden Baum montiert. Sowohl die Statik der Baumhäuser als auch jene der Tragwerksbäume wurde berechnet; die Anlagen wurden nach Spielplatznorm EN 1176 abgenommen. Zwergenspielplatz, Schatzkammer, Küche, Schlafzimmer und Werkstatt verbinden Kreativität mit Sicherheit. Dieses Projekt ist ein eindrucksvolles Beispiel für erlebnisorientiertes Holzhandwerk im Naturraum.
In dieser Kategorie landeten die Tischler Stefan F
uchs aus Axams mit dem Projekt „Hauchdünne Leuchtobjekte aus Zirbenholz" auf Platz 2 und die
Optik Renate Hopffer GmbH&CoKg aus Innsbruck mit dem Projekt „Ein Gesicht. Eine Brille. Kein Zufall." auf Platz 3.
Weitere Informationen zum Tiroler Handwerkspreis finden Sie untenstehend bzw. unter www.handwerkspreis.tirol.