01.04.2025    5 Bilder 2 Dokumente

Kreditvergaben als größte Baustelle

Rigide Kreditvergaben bremsen die Tiroler Bauwirtschaft. Während der Tiefbau punktuell wächst, bleibt der Hochbau stark unter Druck – besonders im Sanierungsbereich.
© WK Tirol/Die Fotografen (Abdruck honorarfrei)

Landesbaudirektor Christian Molzer, Bau-Innungsmeister Patrick Weber und Wirtschaftslandesrat Mario Gerber (v.l.) präsentierten die Ergebnisse der „Tiroler Bauvorschau 2025“.

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Die angespannte Wirtschaftslage macht sich auch in der Tiroler Baubranche bemerkbar. Das belegen die Ergebnisse der Tiroler Bauvorschau 2025, die heute in der Tiroler Wirtschaftskammer vom Landesinnungsmeister des Tiroler Baugewerbes, Patrick Weber, Wirtschaftslandesrat Mario Gerber und Landesbaudirektor Christian Molzer vorgestellt wurden. „Trotz eines leichten Anstiegs des Tiroler Baubudgets um +1 % auf 2,415 Milliarden Euro bleibt die Stimmung in der Branche verhalten. Besonders im Hochbau zeichnen sich Rückgänge ab, während der Tiefbau punktuell Wachstum zeigt“, erklärt Patrick Weber. Die bauwirksamen Leistungen zeigen ein differenziertes Bild: Während der Hochbau mit -2,0 % einen weiteren Rückgang verzeichnet, steigt der Tiefbau um +3,7 %. „Die Sanierung im Wohnbau fällt um drastische -25 % – das ist auch für die Erreichung der Klimaziele problematisch“, betont Landesinnungsmeister Patrick Weber.

Stimmung in der Branche bleibt gedämpft
Nur 33 % bewerten die aktuelle Geschäftslage als „gut“ oder „sehr gut“, 41 % als „befriedigend“ und 25 % als „genügend“ oder „nicht genügend“. Für 2025 erwarten lediglich 13 % eine Umsatzsteigerung, 50 % rechnen mit Stagnation und ein Drittel prognostiziert weitere Verluste. „Die Einschätzungen spiegeln eine spürbare Verunsicherung wider. Die Stimmung in der Branche bleibt gedämpft, vor allem im Hochbau“, so Patrick Weber. Der Tiroler Baubranchen-Index liegt aktuell bei 3,1 und bleibt damit im Bereich „befriedigend“. Damit fällt die Erwartungshaltung 2025 schlechter aus als in jedem anderen Jahr seit Einführung der Bauvorschau 2011.

Kreditklemme mit Folgen
Landesinnungsmeister Patrick Weber sieht für die Politik dringenden Handlungsbedarf. Allen voran ortet Weber eine Kreditklemme. Die KIM-Verordnung, die bisher strenge Kreditvergabe-Regeln für Wohnbaukredite festlegt, läuft Mitte 2025 aus. Sie soll jedoch durch ähnlich restriktive Maßnahmen ersetzt werden – ein Vorhaben, das in der Bauwirtschaft auf scharfe Kritik stößt. „Wir brauchen die Möglichkeit für Wohnbaukredite ohne überzogene Anforderungen. Die Kreditvergaben sind eine der größten Baustellen der Branche. Denn schon die KIM-Verordnung hat ein Problem gelöst, das wir bei uns nie hatten: es gab keine Kreditausfälle. Deswegen wäre es völlig falsch, wenn die Finanzmarktaufsicht dieses Instrument nun über die Hintertüre weiterfortführen würde“, warnt Weber. Das Land fordert Patrick Weber auf, die Wohnbauförderung nach dem Vorbild Vorarlberg auszurichten. Das Vorarlberger Modell ermöglicht die Förderung über wohnbaugeförderte Einheiten hinaus und orientiert sich am Marktpreis.

Weitere Handlungsfelder
Über die Kreditthematik hinaus sieht Weber die Politik in folgenden Handlungsfeldern gefordert. Zur Senkung der Herstellungskosten brauche es verstärkt verdichtetes Bauen. Die Voraussetzung dafür ist die Vorgabe höherer Baudichten. Andererseits seien gesetzliche Erleichterungen für Bestandsumbauten und Nachverdichtungen nötig. Weiters fordert der Landesinnungsmeister, mit Steuervergünstigungen und besseren Abschreibungen für den ersten Wohnsitz die Schaffung von Wohnraum zu erleichtern. Zudem mache die hohe Zahl an Vorschriften und Auflagen effizientes Bauen kaum mehr möglich. „Ein ähnliches Problem hat es auch in Deutschland gegeben, dort hat der Gesetzgeber aber reagiert und in bestimmten Fällen die Regeln für das Bauen deutlich gelockert.“ In die gleiche Richtung zielen schnellere und einfachere Genehmigungsverfahren. Schließlich fordert der Landesinnungsmeister die Wiedereinführung der Bundessanierungsoffensive und die Unterstützung der Gemeinden für Bau- und Infrastrukturprojekte.

Nächster Schritt in der Digitalisierung
Landesrat Gerber unterstreicht in seinem Statement den Stellenwert der Baubranche für die Tiroler Wirtschaft. Der Bau in Tirol produziert Wertschöpfung, sichert Arbeitsplätze und erweist sich als verlässlicher Motor der regionalen Konjunktur. Der Landesrat sagt zu, dass das Ziel des Bürokratieabbaus vor allem im Rahmen des „Tirol Konvents“ konsequent verfolgt werde. In diesem Zusammenhang verweist er auf die geforderte Digitalisierung von Verfahren: „Der erste Schritt für digitale Baueinreichungen ist bereits gesetzt. Jetzt folgt der nächste Schritt, in dem es um eine zentrale Plattform für einheitliche Baueinreichungen über das Digitalservice Tirol geht. Dafür peilen wir den Herbst 2025 an.“ Beim Thema der KIM-Nachfolgeregelung unterstützt der Landesrat die Aussagen des Landesinnungsmeisters: „Die Finanzmarktaufsicht sollte nicht Kreditregeln über das ganze Land stülpen, es gibt große regionale Unterschiede. In Tirol liegt die Eigentumsquote über 50 %, wir möchten auch der jungen Generation ermöglichen, diese bewährte Tradition fortzuführen“, betont der Landesrat.

Stabilität sichern
Landesbaudirektor Christian Molzer betont, dass es im Land ein Anliegen ist, im Hoch- und Tiefbau Stabilität zu vermitteln. Bei den Landesstraßen liege heuer das Hauptaugenmerk auf der neuen Galerie am Reschenpass, der Sanierung des Brettfalltunnels und der B 179. Bei der Wohnbauförderung sieht der Landesbaudirektor positive Ansätze in einer sich abzeichnenden Steigerung: „Im Jahr 2024 wurde in 1.777 Fällen Wohnbauförderungsmittel in Anspruch genommen, für heuer sind 1.900 Fälle prognostiziert.“ Ebenfalls positiv wertet Christian Molzer das Regierungsprogramm auf Bundesebene, in dem eine Stärkung der Baukonjunktur verankert ist.

Fazit
Die Tiroler Bauwirtschaft steht 2025 vor differenzierten Herausforderungen. Während der Tiefbau punktuell wächst, bleibt der Hochbau stark unter Druck – insbesondere in der Sanierung. Die öffentliche Hand spielt eine zentrale Rolle, um weiterhin Impulse zu setzen. Die Tiroler Bauwirtschaft erwartet von der Politik klare Signale, um Planungssicherheit und nachhaltiges Wachstum zu gewährleisten.

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Kontakt

Marth Matthias
Tiroler Wirtschaftskammer
Branchenverbund Bau
Mag. Matthias Marth
T 05 90 90 5-1278