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v.l. Bezirksstellenleiter Johann Kollreider, WK-Tirol Präsidentin Barbara Thaler, Landesrat Mario Gerber, Bezirksstellenobfrau Michaela Hysek-Unterweger und WK-Tirol Vizedirektor Gregor Leitner.
Beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Bezirksstelle Lienz standen zentrale Themen aus dem Wirtschaftsalltag Osttirols im Mittelpunkt. Im Fokus lagen die Leistungen der Bezirksstelle als Service- und Bildungspartnerin der Betriebe, die Sicherung von Fachkräften durch die Lehre sowie die Bedeutung von Digitalisierung, Automatisierung und Künstlicher Intelligenz für die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft. Die Themen stehen exemplarisch für jene Herausforderungen, mit denen viele Unternehmen im Bezirk Lienz konfrontiert sind.
Tiroler Wirtschaft stabilisiert sich – Ausblick bleibt vorsichtig
Beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Tirol sprach Präsidentin Barbara Thaler über die aktuelle wirtschaftliche Lage und den Ausblick für 2026. Die jüngsten Konjunkturdaten zeigen, dass sich die Tiroler Wirtschaft im Winter 2025/26 gegenüber dem Vorjahr spürbar stabilisiert hat. Der ausgeprägte Pessimismus des Winters 2024/25 ist zurückgegangen, die Stimmung hat sich aufgehellt – wenn auch weiterhin vorsichtig.
„Die Tiroler Wirtschaft hat wieder Boden unter den Füßen – aber sie läuft noch vorsichtig“, betonte Thaler.
Stabilisierend wirkt vor allem der Tourismus mit einem Geschäftsklimawert von rund 36 Prozentpunkten. Auch Handel sowie Information & Consulting verzeichnen deutliche Verbesserungen. Die Erholung verläuft jedoch unterschiedlich: Die Bauwirtschaft bleibt trotz Fortschritten weiterhin die einzige Branche im negativen Bereich. Auch die Industrie hat weiterhin mit hohen Arbeitskosten und internationalem Wettbewerbsdruck zu kämpfen.
Viele Betriebe berichten von gut gefüllten Auftragsbüchern, blicken angesichts internationaler Unsicherheiten jedoch zurückhaltend auf die kommenden Monate. Als größte Belastungen nennen die Unternehmen weiterhin hohe Arbeitskosten, Bürokratie sowie Steuern und Abgaben.
Unter der Voraussetzung stabiler geopolitischer Rahmenbedingungen erwartet die Wirtschaftskammer Tirol für 2026 ein reales Wirtschaftswachstum von rund 1,5 Prozent.
„Das momentane, kleine Pflänzchen an Wirtschaftswachstum braucht jetzt die richtigen Rahmenbedingungen, um weiter wachsen zu können“, betonte Thaler. Bürokratieabbau, die Senkung der Lohnnebenkosten und ein investitionsfreundliches Umfeld seien dafür entscheidend. „Wer nachhaltiges Wachstum will, muss den Betrieben Luft zum Atmen geben.“
Die Wirtschaftskammer als verlässliche Service- und Bildungspartnerin in Osttirol
Die Wirtschaftskammer Bezirksstelle Lienz versteht sich als erste Anlaufstelle für die rund 3.000 Osttiroler Betriebe – mit persönlicher Beratung, praxisnaher Unterstützung und direktem Kontakt vor Ort. Im Jahr 2025 wurden rund 4.000 Servicekontakte verzeichnet, darunter 250 Gründungsberatungsgespräche und 150 Förderberatungen. Ergänzt wurde dieses Angebot durch 120 Betriebsbesuche, bei denen Anliegen unmittelbar in den Unternehmen aufgenommen wurden.
Auch im Bereich Aus- und Weiterbildung setzt die Bezirksstelle starke Akzente. Über das WIFI wurden rund 220 Kurse mit etwa 1.500 Teilnehmer:innen durchgeführt. Zusätzlich erreichten die Berufsorientierungsformate der Wirtschaftskammer – von „Kinder entdecken Wirtschaft“ bis zum „Tiroler Berufsfestival“ – rund 1.600 Jugendliche. Ziel ist es, frühzeitig Einblicke in berufliche Möglichkeiten zu geben und Perspektiven im eigenen Bezirk aufzuzeigen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Interessenvertretung. Themen wie Bauverfahren, Brandschutz sowie das Regionalwirtschaftliche Programm Osttirol 2026–2036 standen 2025 im Fokus der Arbeit. Dabei bringt die Bezirksstelle die Anliegen der Betriebe aktiv in den Dialog mit Behörden, Politik und regionalen Partnern ein.
Lehre als Schlüssel für die Fachkräfte der Zukunft
Die Sicherung von Fachkräften bleibt eine zentrale Herausforderung für Osttirol. Lehrlinge sind für viele KMUs und Industriebetriebe überlebensnotwendig, gleichzeitig sind sowohl die Zahl der Lehrlinge als auch der Ausbildungsbetriebe rückläufig. Aus Sicht der Wirtschaftskammer braucht es daher gemeinsame Anstrengungen, um das Image der Lehre zu stärken – bei Eltern, Schüler:innen, Schulen und Betrieben.
Besonders wichtig ist dabei eine bessere Koordination der Lehrlingsaktivitäten im Bezirk. Ziel ist es, bestehende Initiativen zu bündeln und Kräfte effizient einzusetzen. Ein konkretes Thema ist auch die Schaffung leistbarer Lehrlingsunterkünfte, um Ausbildung und Mobilität besser miteinander zu verbinden und jungen Menschen den Einstieg in eine Lehre in Osttirol zu erleichtern.
Digitalisierung, Automatisierung und KI als Produktivitätstreiber
Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz gewinnen auch in Osttirol zunehmend an Bedeutung. Gerade in einer Region mit einem hohen Anteil an produzierenden Unternehmen sind weitere Schritte in Richtung Automatisierung und digitaler Prozesse entscheidend, um Produktivität zu steigern und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
KI bietet sowohl in der Produktion als auch in internen Abläufen – etwa in Planung, Logistik oder Verwaltung – großes Potenzial. Gleichzeitig benötigen vor allem kleine und mittlere Unternehmen gezielte Unterstützung. Die Wirtschaftskammer Bezirksstelle Lienz setzt daher auf Beratung, Begleitung und Förderinformationen, um Betriebe bei der Umsetzung von Digitalisierungs- und Automatisierungsprojekten zu unterstützen und Hemmschwellen abzubauen.
„Osttirol braucht starke Betriebe, gut ausgebildete Fachkräfte und Rahmenbedingungen, die Investitionen und Innovation ermöglichen. Als Wirtschaftskammer Bezirksstelle Lienz begleiten wir die Unternehmen dabei mit Service, Ausbildung und Interessenvertretung – praxisnah und verlässlich“, so Bezirksobfrau Michaela Hysek-Unterweger.
Der Neujahrsempfang zeigte, dass Osttirol wirtschaftlich gut aufgestellt ist, zugleich aber klare gemeinsame Anstrengungen braucht, die Leistungskraft der regionalen Wirtschaft, die gesellschaftlichen Entwicklungen und die Anforderungen des Klimawandels langfristig in Einklang zu halten.