© Dominik Somweber
Der Neujahrsempfang Reutte 2026 - Zahlreiche Unternehmer:innen nahmen teil und hörten sich die Reden , wie hier von LR Mario Gerber, zu den Aussichten für den Bezirk an.
Beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer-Bezirksstelle Reutte standen aktuelle Themen aus dem Wirtschaftsalltag des Außerferns im Mittelpunkt. Im Fokus lagen die regionale Energieversorgung aus Wasserkraft sowie die Rolle der Wirtschaftskammer als Anlaufstelle für Bildung, Interessenvertretung und Beratung. Die Themen stehen exemplarisch für zentrale Standortfragen im Bezirk.
Tiroler Wirtschaft stabilisiert sich – Ausblick bleibt vorsichtig
Beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Tirol sprach Präsidentin Barbara Thaler über die aktuelle wirtschaftliche Lage und den Ausblick für 2026. Die jüngsten Konjunkturdaten zeigen, dass sich die Tiroler Wirtschaft im Winter 2025/26 gegenüber dem Vorjahr spürbar stabilisiert hat. Der ausgeprägte Pessimismus des Winters 2024/25 ist zurückgegangen, die Stimmung hat sich aufgehellt – wenn auch weiterhin vorsichtig.
„Die Tiroler Wirtschaft hat wieder Boden unter den Füßen – aber sie läuft noch vorsichtig“, betonte Thaler.
Stabilisierend wirkt vor allem der Tourismus mit einem Geschäftsklimawert von rund 36 Prozentpunkten. Auch Handel sowie Information & Consulting verzeichnen deutliche Verbesserungen. Die Erholung verläuft jedoch unterschiedlich: Die Bauwirtschaft bleibt trotz Fortschritten weiterhin die einzige Branche im negativen Bereich. Auch die Industrie hat weiterhin mit hohen Arbeitskosten und internationalem Wettbewerbsdruck zu kämpfen.
Viele Betriebe berichten von gut gefüllten Auftragsbüchern, blicken angesichts internationaler Unsicherheiten jedoch zurückhaltend auf die kommenden Monate. Als größte Belastungen nennen die Unternehmen weiterhin hohe Arbeitskosten, Bürokratie sowie Steuern und Abgaben.
Unter der Voraussetzung stabiler geopolitischer Rahmenbedingungen erwartet die Wirtschaftskammer Tirol für 2026 ein reales Wirtschaftswachstum von rund 1,5 %.
„Das momentane, kleine Pflänzchen an Wirtschaftswachstum braucht jetzt die richtigen Rahmenbedingungen, um weiter wachsen zu können“, betonte Thaler. Bürokratieabbau, die Senkung der Lohnnebenkosten und ein investitionsfreundliches Umfeld seien dafür entscheidend. „Wer nachhaltiges Wachstum will, muss den Betrieben Luft zum Atmen geben.“
Regionale Energieversorgung als Standortfaktor
Im Bezirk Reutte ist wirtschaftliche Entwicklung seit jeher eng mit der regionalen Energieversorgung verbunden. Die Ansiedlung großer Industriebetriebe basierte wesentlich auf der Verfügbarkeit leistbarer und verlässlicher Wasserkraft – eine Grundlage, die den Wirtschaftsraum Außerfern bis heute prägt.
Derzeit wird über eine Effizienzsteigerung der bestehenden Kraftwerkskette diskutiert. Im Mittelpunkt stehen die Modernisierung vorhandener Anlagen und die bessere Nutzung bestehender Infrastruktur. Ziel ist es, Leistung, Effizienz und Versorgungssicherheit zu erhöhen, ohne neue Großprojekte zu errichten.
Aus Sicht der WK-Bezirksstelle Reutte ist eine sichere, regionale Energieversorgung ein zentraler Standortfaktor für Industrie, Gewerbe, Tourismus und Dienstleistung. Entscheidungen dieser Tragweite erfordern eine sachliche Auseinandersetzung auf Basis von Fakten. Die Bezirksstelle will daher mit einem Faktencheck zur Versachlichung der Diskussion beitragen.
„Die Energiewende wird nicht gelingen, wenn Projekte reflexartig abgelehnt werden. Entscheidend ist ein offener, faktenbasierter Zugang – mit Respekt vor der Natur und Verantwortung für den Wirtschaftsstandort,“ so Bezirksstellenobmann Christian Strigl.
Die Wirtschaftskammer Reutte als Nahversorger der Betriebe
Neben der Energieversorgung steht die tägliche Arbeit der WK-Bezirksstelle Reutte für die heimischen Betriebe im Fokus. Die Bezirksstelle versteht sich als regionale Ansprechpartnerin und Nahversorgerin für die Außerferner Wirtschaft.
Ein zentraler Bereich ist die Aus- und Weiterbildung. Mit dem WIFI Reutte steht ein wohnortnahes Angebot der Erwachsenenbildung zur Verfügung, das sich an den konkreten Bedürfnissen der Betriebe orientiert. Kurze Wege und praxisnahe Formate sind dabei ein entscheidender Vorteil für Unternehmen und Beschäftigte im Bezirk.
Darüber hinaus bündelt und vertritt die Bezirksstelle die Interessen der regionalen Wirtschaft gegenüber Behörden und Entscheidungsträger:innen. Ergänzend dazu ist die Beratung eine wichtige Säule der Arbeit – etwa bei Unternehmensgründungen, Nachfolgeregelungen oder im Betriebsanlagenrecht. Regionale Kenntnis und direkte Ansprechbarkeit schaffen dabei Orientierung in zunehmend komplexen unternehmerischen Fragestellungen.
Der Neujahrsempfang machte deutlich, dass der Wirtschaftsraum Außerfern über gewachsene Stärken und klare Standortvorteile verfügt. Entscheidend bleibt eine sachliche Diskussion und verantwortungsvolle Weiterentwicklung dieser Rahmenbedingungen, um Betrieben auch künftig verlässliche Perspektiven zu bieten.