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Landesinnungsmeister Patrick Weber bei seiner Begrüßungsrede am Bautag 2026.
Am 5. März 2026 fand zum wiederholten Male der Tiroler Bautag in der BAUAkademie Tirol in Innsbruck statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie durch einfachere Regeln, effizientere Verfahren und praxistaugliche Baustandards wieder mehr leistbarer Wohnraum geschaffen werden kann. Vertreter aus der Tiroler Landespolitik, Bauwirtschaft und Fachwelt diskutierten über Wege aus der Baukrise sowie über notwendige Reformen bei Normen, Genehmigungsverfahren und Investitionsbedingungen.
Rund 100 Branchenvertreter:innen folgten der Einladung der Landesinnung Bau Tirol zur traditionsreichen Veranstaltung, die jedes Jahr aktuelle Themen der Bauwirtschaft aufgreift. Zum Auftakt unterstrich Landesinnungsmeister und Gastgeber Patrick Weber in seiner Begrüßungsrede die Bedeutung des Bautags als Plattform für den Austausch zwischen Bauwirtschaft, Politik und Fachpublikum. „Wir kommen aus drei Jahren Rezession in Österreich. Viele unserer Betriebe leiden noch immer unter geringer Nachfrage, steigenden Kosten und zunehmend komplexen Rahmenbedingungen“, erklärte Weber. Erste Umfragen zeigen jedoch eine leichte Stabilisierung. Während 16 % der Betriebe im ersten Quartal 2026 von steigenden Auftragseingängen berichten, rechnen 29 % weiterhin mit rückläufigen Aufträgen. „Ein klares Ziel ersetzt 1.000 Detailregeln“, brachte Weber die zentrale Botschaft seiner Rede auf den Punkt.
Hamburg-Standard als Beispiel für kosteneffizientes Bauen
Ein zentraler Programmpunkt des Bautags war der Impulsvortrag von Michael Munske, Erster Baudirektor und Leiter des Amtes für Bauordnung und Hochbau in der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen. Er stellte den sogenannten Hamburg-Standard vor, der im Rahmen der Initiative „Kostenreduziertes Bauen“ entwickelt wurde.
Mehr als 230 Akteure aus Verwaltung, Planung und Bauwirtschaft arbeiteten dabei an Maßnahmen zur Senkung von Baukosten. Insgesamt wurden rund 350 Vorschläge geprüft, von denen 65 konkrete Vereinfachungen weiter ausgearbeitet wurden. Dabei standen die drei folgenden Handlungsfelder im Fokus: kostenreduzierte Baustandards, optimierte Prozesse und Planung, beschleunigte Verfahren. Langfristiges Ziel ist es, Bauprojekte effizienter umzusetzen und Kosten zu reduzieren, ohne Qualität und Sicherheit zu gefährden. Munske beantwortete die Frage nach der Umsetzbarkeit in Tirol mit einem klaren Ja.
Diskussion über Normen, Verfahren und Innovation
Im Anschluss diskutierten Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler, Landesinnungsmeister Patrick Weber, Keynote Speaker Michael Munske und Baumeister Gunther Graupner, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Bau (ZAB), über Möglichkeiten, Bauen wieder einfacher und kostengünstiger zu machen.
Graupner verwies darauf, dass es in Österreich rund 2.700 baurelevante Normen gibt. „Das stetige Wachstum dieser Normen erschwert Bauprojekte und kann Innovation hemmen“, erklärte er. Modelle wie der in Deutschland diskutierte Gebäudetyp E könnten daher auch in Österreich neue Spielräume eröffnen.
Geisler betonte, dass beim Thema leistbares Wohnen Politik, Wirtschaft und Verwaltung gemeinsam Lösungen erarbeiten müssen. In Tirol werde bereits an technischen Erleichterungen in der Bauordnung gearbeitet. Weber verwies auf konkrete Ansätze, etwa flexiblere Stellplatzregelungen oder effizientere Planungsprozesse.
Gemeinsames Ziel: leistbarer Wohnraum
Einigkeit bestand darin, dass leistbarer Wohnraum nur durch ein Zusammenspiel aller Beteiligten und mittels verschiedener Maßnahmen erreicht werden kann – von vereinfachten Normen über schnellere Verfahren bis hin zu investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen.
„Unser Ziel muss es sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Innovation ermöglichen, Prozesse vereinfachen und Investitionen in Wohnraum wieder attraktiver machen“, so Weber abschließend.
Der Tiroler Bautag zeigte einmal mehr, wie wichtig der gemeinsame Dialog zwischen Politik, Bauwirtschaft und den Experten aus der Branche ist, um Lösungen für die aktuellen Herausforderungen im Wohnbau zu entwickeln.