© Cramer / WK Tirol
Bei der Paneldiskussion zur Zukunft des Tiroler Tourismus diskutierten (v. r.) Alois Rainer, Spartenobmann Tourismus in der WK Tirol, Johannes Schranz, stv. Geschäftsführer des AMS Tirol, Heinz Herczeg, Autor der Tiroler Jugendstudie, sowie Leonard Burger vom Gewinnerteam des Buildathons.
Wie gelingt es, junge Menschen für den Tourismus zu begeistern und gleichzeitig neue Technologien sinnvoll zu nutzen? Bei den Tourismus Topics Tirol auf der FAFGA 2026 rückte Spartenobmann Alois Rainer die Arbeitswelt von morgen in den Mittelpunkt.
Wie wollen junge Menschen künftig arbeiten? Was erwarten sie von ihren Arbeitgeber:innen? Und welche Rolle kann künstliche Intelligenz dabei spielen, den Arbeitsalltag in Hotellerie und Gastronomie zu erleichtern? Diesen Fragen widmeten sich die diesjährigen Tourismus Topics Tirol auf der FAFGA.
Für Alois Rainer, Spartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WK Tirol, gehören dabei zwei Themen unmittelbar zusammen: die Erwartungen der nächsten Generation und der sinnvolle Einsatz neuer Technologien. „Die junge Generation wird oft unterschätzt. Es gibt viele junge Menschen, die für unsere Branche brennen. Unsere Aufgabe ist es, dieses Feuer zu entfachen und ihnen die richtigen Rahmenbedingungen zu bieten“, betonte Rainer. Entscheidend sei deshalb, genauer hinzusehen, was Mitarbeiter:innen von morgen brauchen und gleichzeitig zu überlegen, wie Betriebe ihre Teams im Alltag durch den Einsatz von KI entlasten können.
Junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen
Welche Erwartungen Tirols Jugendliche an Beruf und Arbeitgeber:innen stellen, ordnete Heinz Herczeg, Autor der Tiroler Jugendstudie, ein. Respekt und Wertschätzung, Ehrlichkeit, Transparenz sowie Vertrauen und Verlässlichkeit spielen demnach eine zentrale Rolle. Gleichzeitig wollen sich junge Menschen weiterentwickeln, Verantwortung übernehmen und in ihrer Tätigkeit einen Sinn erkennen.
Für Alois Rainer steckt darin eine große Chance für den Tourismus. Gerade kleinere und familiengeführte Betriebe könnten Nähe, persönliche Rückmeldung und direkte Beteiligung besonders gut leben. Es gehe deshalb nicht darum, junge Menschen in bestehende Strukturen hineinzupressen, sondern Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass ihre Stärken zur Geltung kommen.
Auch Johannes Schranz, Stv.-Geschäftsführer des AMS Tirol, unterstrich die Bedeutung früher Praxiserfahrungen. Schnuppermöglichkeiten, Praktika und erste Einblicke in Betriebe könnten dazu beitragen, Berufe erlebbar zu machen und Jugendlichen eine fundierte Entscheidung für ihren weiteren Weg zu ermöglichen.
KI soll Freiräume schaffen
Die zweite Säule der Diskussion bildete das Thema künstliche Intelligenz. Wie konkret neue Technologien den Tourismus unterstützen können, zeigte der Rückblick auf den KI-Buildathon. Mehr als 80 Teilnehmer:innen entwickelten in 25 Teams innerhalb weniger Stunden Prototypen für Anwendungen rund um Wissen und Onboarding, Mitarbeiter, Sichtbarkeit und betriebliche Abläufe in der Hotellerie und Gastronomie. „KI muss uns dort unterstützen, wo sie Abläufe vereinfacht und Zeit spart. Wenn Routinetätigkeiten im Hintergrund übernommen werden können, entstehen Freiräume für das, was unseren Tourismus ausmacht: Gastgeber zu sein, für Gäste da zu sein und Zeit für die eigenen Mitarbeiter zu haben“, so Rainer.
Gerade in arbeitsintensiven Spitzenzeiten könne Technologie dazu beitragen, Unternehmer:innen und ihre Teams von administrativen Aufgaben zu entlasten. Die Entscheidung müsse aber immer vom konkreten Nutzen für den Betrieb ausgehen. „Wir dürfen uns vor KI nicht verschließen. Dort, wo sie uns unternehmerisch hilft, setzen wir sie ein“, bringt Rainer seinen Zugang auf den Punkt.
Menschlichkeit bleibt Kern des Tourismus
Für Alois Rainer führt die Arbeitswelt von morgen deshalb nicht weg vom Menschen. Im Gegenteil. Je mehr Routineaufgaben im Hintergrund unterstützt oder automatisiert werden können, desto wichtiger werde jene Qualität, die sich technisch nicht ersetzen lässt. „Menschlichkeit und Empathie lassen sich nicht wegrationalisieren. Gute Laune, persönliche Wertschätzung und echte Gastfreundschaft entsteht zwischen Menschen“, betont der Spartenobmann des Tiroler Tourismus. Die Aufgabe der Branche sei es deshalb, beide Entwicklungen zusammenzuführen: jungen Menschen Perspektiven und Verantwortung zu geben und gleichzeitig neue Werkzeuge zu nutzen, um Mitarbeiter:innen und Unternehmer:innen den Rücken freihalten.
Genau darin liegt für den Tourismus-Spartenobmann die große Chance: Technologie dort einsetzen, wo sie entlastet und gleichzeitig jene persönliche Nähe stärken, von der der Tiroler Tourismus lebt.