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Informierten beim "Schienentag Tirol" über Generalsanierungen der Bahnstrecken in Deutschland und deren Auswirkungen für Tirol (v.l.): Andreas Matthä (CEO ÖBB-Holding AG) Barbara Thaler (Präsidentin der Wirtschaftskammer Tirol) und
René Zumtobel (Mobilitätslandesrat Land Tirol).
Generalsanierungen mit Streckensperren in Deutschland führen 2026-2028 zu spürbaren Auswirkungen auf Bahnverkehr in Tirol
ÖBB, Wirtschaftskammer Tirol und Land Tirol setzen beim heutigen „Schienentag“ ihre enge Abstimmung fort, um Mobilität und Versorgungssicherheit bestmöglich zu gewährleisten
Umleitungen und Schienenersatzverkehr, längere Fahrzeiten, großräumiges Ausweichen im Güterverkehr
Tirol ist sowohl als zentrales Transitland im europäischen Bahnverkehr als auch durch die wichtige Korridorstrecke zwischen Salzburg und Kufstein über das sogenannte „Deutsche Eck“ im Ost-West-Fernverkehr besonders stark von den aktuellen Entwicklungen im deutschen Schienennetz betroffen. Seit 2025 finden in Deutschland auf Grund des schlechten Infrastrukturzustandes umfassende Generalsanierungen ganzer Bahnkorridore mit monatelangen Totalsperren bis 2036 statt. Die Auswirkungen sind für die ÖBB im Personenverkehr direkt spürbar: Zwei Drittel der Fernverkehrszüge der ÖBB starten oder enden im Ausland – viele davon in Deutschland.
Besonders herausfordernd werden aus heutiger Sicht die Jahre 2027 für den Personenfernverkehr und das Jahr 2028 für den Güterverkehr: Die geplante Sanierung der Strecke zwischen München und Rosenheim mit einer zweimonatigen Totalsperre wird für den internationalen Nord-Süd-Güterverkehr belastend und damit insbesondere Auswirkungen auf die für Tirol zentrale Brennerachse haben. Um eine Verlagerung von Transporten auf die Straße so weit wie möglich zu verhindern, braucht es frühzeitige Information, enge Abstimmung und die konsequente Einbindung der verladenden Wirtschaft. Genau hier setzt der heutige „Schienentag“ an: Wirtschaftskammer Tirol, ÖBB und Land Tirol bringen Vertreterinnen und Vertreter aus Logistik, Verkehr und Wirtschaft zusammen, um sich zu absehbaren Auswirkungen und geeigneten Maßnahmen für Tirol auszutauschen. Gerade für 2028 bestehen noch gute Möglichkeiten, sich in die Abstimmungen für die neue, verkürzte Sperre einzubringen.
Baustellen als notwendiger Schritt
Die kommenden Jahre bringen spürbare Einschränkungen, gleichzeitig ist klar: Die Sanierungen sind alternativlos, um die Bahninfrastruktur modern und sicher zu halten.
Andreas Matthä, CEO ÖBB Holding-AG:
„Deutschland holt jetzt dringend notwendige Investitionen in die Schiene nach. Das ist für das gesamte europäische Bahnnetz entscheidend. Kurzfristig bedeutet das aber spürbare Einschränkungen, die wir auch in Tirol deutlich wahrnehmen werden. Unser Ziel ist klar: Wir halten den Verkehr für unsere Fahrgäste und die Wirtschaft so stabil wie möglich.“
Schwerpunktjahre 2026 bis 2028
Die Auswirkungen auf Tirol sind vor allem durch Komplettsperren in den Jahren 2026 bis 2028 spürbar.
2. Halbjahr 2026 (Passau-Obertraubling): vor allem Auswirkungen im Güterverkehr, aber auch im Fernverkehr
1. Halbjahr 2027 (Freilassing-Rosenheim): stärkste Einschränkungen im Personenverkehr
1. Halbjahr 2028 (Rosenheim-München): erneut Auswirkungen im Güter- und Fernverkehr. Die Dauer der Totalsperre konnte laut Informationen von DB Infra Go von ursprünglich fünf auf zwei Monate (25.2. bis 21.4. 2028) verkürzt werden.
Die ÖBB und das Land Tirol stimmen sich dazu eng ab.
René Zumtobel, Verkehrslandesrat Tirol:
„Über das Deutsche Eck werden nicht nur West- und Ostösterreich verbunden, es ist darüber hinaus elementarer Bestandteil einer der am stärksten ausgelasteten Bahnverbindungen Österreichs – vor allem im Personenverkehr. Gleichzeitig ist eine funktionierende Nord-Südverbindung über München und Rosenheim aus Tiroler Sicht zentral für den Schienengüterverkehr und damit für die Güterverlagerung. Entsprechend intensiv bringen wir uns in die Abstimmungen ein, um die Auswirkungen für Pendlerinnen und Pendler sowie auch die verladende Wirtschaft so gering wie möglich zu halten und eine Rückverlagerung des Verkehrs auf die Straße zu verhindern. Deshalb ist es erfreulich, dass unsere Bemühungen für eine zeitliche Entkopplung der Sperren in Bayern sowie die Verkürzung auf zwei Monate in 2028 gefruchtet haben. Nun sollten alle Partner die verbleibende Zeit nutzen, um sich frühzeitig und abgestimmt auf die Sperren vorzubereiten.“
System am Limit: Umleitungen und weniger Spielraum
Um die Sperren abzufedern, muss die bestehende Infrastruktur in Tirol maximal genutzt werden. Dennoch sind die Kapazitäten begrenzt. Die Herausforderung besteht darin, Umleitungen im internationalen Verkehr zu ermöglichen und gleichzeitig ein stabiles Angebot für den Nah- und Fernverkehr sicherzustellen. Fahrplananpassungen, längere Fahrzeiten und punktuelle Einschränkungen sind dabei unvermeidbar.
Konkrete Auswirkungen im Verkehr
Bereits 2026 zeigen sich nun im zweiten Halbjahr deutliche Effekte:
Durch die Sperre Passau – Obertraubling werden Verkehre über das Deutsche Eck umgeleitet.
- Fahrzeitverlängerungen von +15 Minuten (Innsbruck) bis +30 Minuten (Vorarlberg)
- Verschiebungen im Fernverkehr westlich von Innsbruck
- Anpassungen im Regionalverkehr
2027 für Personenverkehr mit größten Auswirkungen:
Durch die Totalsperre Freilassing – Rosenheim kommt es zu Umleitungen und Schienenersatzverkehr. Um eine möglichst nahtlose und flexible Mobilitätskette für die Fahrgäste sicherzustellen und die stündlichen Reisemöglichkeiten zwischen Innsbruck und Wien aufrecht zu erhalten, planen die ÖBB einen Schienenersatzverkehr für den Fernverkehr zwischen Salzburg und Kufstein bzw. Innsbruck einzurichten. Die Züge zwischen Wien und Zürich sollen darüber hinaus über Bischofshofen und Zell am See umgeleitet werden. Die Fahrzeiten bis Innsbruck verlängern sich um ca. eine Stunde bei Umstieg auf den Bus bzw. rund 1,5 Stunden beim umgeleiteten Direktzug.
Güterverkehr unter Druck
Auch der Güterverkehr steht vor großen Herausforderungen:
- 2026 müssen bis zu 120 Güterzüge täglich umgeleitet werden.
- Rund 80 % der Kapazität können gesichert werden.
- Ein Teil der Transporte wandert auf die Straße ab.
Der Güterverkehr wird vor allem über die Strecke München – Salzburg – Wels umgeleitet (120 Züge/Tag). Durch Umlegung bestehender Güterverkehrsverbindungen innerhalb Österreichs werden auf der Weststrecke zusätzliche Kapazitäten im Güterverkehr frei. Die Umleitung der betroffenen Güterzüge erfolgt auf mehreren Alternativstrecken (Ennstal, Pyhrn, Schoberpass, Giselabahn, Südstrecke). Realistisch betrachtet wird bei den 20 %, für die aus Kapazitätsgründen keine Umleitung auf der Schiene gefunden werden konnte, zu einem Großteil eine Rückverlagerung auf die Straße stattfinden. Die ÖBB streben an, diese Transporte nach Ende der Sperre wieder auf die Bahn zu bringen. Ein anderer Teil wird auf Schienenverbindungen gänzlich außerhalb von Österreich ausweichen.
Barbara Thaler, Präsidentin Wirtschaftskammer Tirol:
„Für Tirols exportorientierte Wirtschaft ist ein verlässlicher Schienengüterverkehr ein wichtiger Standortfaktor. Betriebe brauchen frühzeitig Klarheit über Sperren, Umleitungen und verfügbare Kapazitäten, damit sie verlässlich planen können. Die enge Abstimmung mit den ÖBB ist dafür entscheidend.“
Langfristige Perspektive für Tirol
Trotz der Herausforderungen ist die Richtung klar: Eine moderne Bahninfrastruktur in Deutschland stärkt langfristig auch Tirol – durch stabilere Verbindungen, mehr Kapazitäten und höhere Qualität im Bahnverkehr. Die ÖBB setzen alles daran, diese Phase gut zu bewältigen – für verlässliche Mobilität und eine sichere Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft.